|
Frau Perchta ist eine Sagengestalt, die sich
in verschiedener Weise in der slawischen und nordischen Mythologie und im
Volksglauben findet. Sie entspricht vermutlich der aus Grimms Märchen bekannten
Frau Holle.
Die Bezeichnung »Perchta« findet sich eher im süddeutschen und alpenländischen
(Berchtesgaden), aber auch im slawischen Raum, wohingegen »Holle« eher im
norddeutschen und (seltener) auch im skandinavischen Raum zu finden ist.
Namensvarianten sind Bertha, Pertha, Percht, Precht und Perscht. Frau Holle ist
auch unter den Bezeichnungen Hulda, Holda, Holte oder Huldre bekannt.
Mythologische Erklärungen
Perchta bestraft (wie Frau Holle) Faulheit und auch unangebrachte Neugier. Die
Bestrafung kann von einfachen Albträumen bis hin zum Aufschlitzen des Bauches
(!) reichen. Der Bauch des Opfers wird dann gerne noch mit Steinen gefüllt, um
es in einem Brunnen zu versenken. Zum Beispiel wird Kindern, die ihr Zimmer
nicht aufräumen wollen, angedroht, dass Frau Perchta ihnen in der Nacht den
Bauch mit den nicht aufgeräumten Dingen füllen wird. Zudem kann Perchtas Atem
töten oder blenden.
Umgekehrt werden Fleiß und Hilfsbereitschaft belohnt. Neben vollen Spulen,
goldenen Fäden und Flachknoten für Spinnerinnen gibt es auch Münzen, die Mägde
in Eimern (vorwiegend am Brunnen) finden. Wo die Vegetationsdämonie von der
Figur der Perchta und (vorwiegend) der Hulda assimiliert wird, kann bei den
Begünstigten das Wachstum des Getreides beeinflusst, das Feld umgepflügt oder
das Korn geschnitten werden.
Der Brunnen oder ein Teich sind auch die Orte, an dem Perchta die noch nicht
geborenen Seelen hütet . Die Pflanze der Perchta-Hulda ist der Holunderstrauch;
Perchta straft jeden, der einen Hollerstrauch fällt oder beschneidet. Während
die schwarze Katze, die die Hulda oft begleitet, oder der Holunderstrauch auf
die Übernahme heidnischer Attribute hinweisen, deuten der Marienkäfer und der
Rosenstrauch, an dem Hulda ihren Schleier trocknet, auf die zunehmende
christliche Überformung der Mythe.
Die Perchta wird – als Butzebercht – dann auch
als altes, verwahrlostes Weib dargestellt, das einen verkrüppelten (vom Spinnen
zu groß geratenen oder auch enten- oder gänseförmigen) Fuß hat, wie die alten
Frauen in dem Märchen Die drei Spinnerinnen. Die Attribute überschneiden sich
hier mit denen der Hexenfigur des Volksglaubens. Das männliche Pendant der
Butzebercht ist dann der Butzemann. Seltener findet sich eine mit Rüstung
versehene Eiserne Perchta. In der christianisierten Form werden der Perchta
zunehmend Attribute der Maria beigefügt. Die in dieser Form auch als Weiße Frau
bekannte Perchta wird nun auch als Führerin einer Schar unschuldiger Kinder
vorgestellt. Ihr Tag ist vornehmlich der 6. Januar (Epiphanias bzw.
Dreikönigstag). Auftritte sind aber auch Ostern oder zum Beginn des Faschings
möglich. Perchta wie Hulda fahren dann durch Lüfte und müssen besänftigt werden,
was bei der Perchta vor allem mit Bier und Kuchen möglich ist.
Ursprünglich scheint die Perchta (ahd. "peraht"
= hell, glänzend) zur Wilden Jagd gehört zu haben, war also eine Tote Seele (ein
Dämon, Geist oder Irrlicht) . Zuerst scheint es sich dabei um eine Gruppe von
Geistern gehandelt zu haben, aus denen dann zunehmend ein einzelner hervortrat.
Dennoch sind die Perchten, die in der Wilden Percht durch die Lüfte schwirren,
noch lange als Begleiterin der dann schon exponierten Perchta bekannt. Sie
treiben im Aberglauben vor allem in den Rauhnächten ihr Unwesen .
Perchta und Hulda sind auch dämonische
Spinnerinnen, die mit den Schicksalsfrauen der nordischen Mythologie, den Nornen
in Zusammenhang stehen. Ihre Attribute sind ein Wollknäuel, das niemals zu Ende
geht und eine Spindel. Man stellt sie auch mit der Mythengestalt Nerthus
zusammen. In der Figur der Perchta finden sich auch Attribute der germanischen
Gottheit Frigga wieder. Perchta findet sich seltener auch als Zwergenkönigin
oder Königin der Heimchen. Attribute einer Wintergöttin finden sich im Märchen
von Frau Holle. Gerade in den Rauhnächten wird die Perchta so zur Erklärung für
Sturm, Regen und Schnee.
Die Namensähnlichkeit zwischen Frau Perchta
und Knecht Ruprecht lässt eine Verbindung zwischen den beiden Figuren erahnen.
Dafür spricht auch ihr belohnendes bzw. bestrafendes Verhalten sowie dass beide
bevorzugt in den Wintermonaten auftreten.
Geschichte des Perchten-Brauchtums
Die Percht als Teil der Wilden Jagd war
bereits in der Antike fester Bestandteil der Neujahrszeremonien. Mit der
zunehmenden Christianisierung im Alpenraum zu Beginn des Mittelalters wurde die
Perchta-Holla dann zunehmend zur Gestalt der "domina Berchta", einer
Personifierung der Trägheit und Verschwendungssucht. Eine Übertragung des Namens
der Perchta auf die sie begleitenden Dämonen und Geister findet man erstmals im
16. Jh.. Deren wildes Treiben wurde in den folgenden Jahrhunderten allerdings
zunehmend als unchristlicher Aberglaube abgetan und es gab Anstrengungen seitens
der katholischen Kirche dieses Brauchtum zu unterbinden. Eine Renaissance
erlebten die Perchtenkulte erst wieder mit der Säkularisation und einer sich
ändernden Einstellung zur Volkskultur im 19. Jh.
Perchtenlaufen heutzutage
Vermehrt bis in die 50er Jahre und vereinzelt
noch heute finden sich in manchen Orten in Süddeutschland und den Alpen die
Perchtenläufe, insbesondere in der Zeit um den 5. Dezember und in der
Nachweihnachtszeit (den sogenannten 12 Rauhnächten von Heiligabend bis
Dreikönigstag). Inwieweit das Perchtenlaufen wirklich auf heidnische Bräuche
zurückgeht, ist umstritten.
In Salzburg wurde das Fest der Perchta 1941 zum letzten Mal mit Masken gefeiert.
So genannte Schönperchten (Tresterer) finden sich noch heute in Zell am See,
Stuhlfelden und Unken. Neben den Schönperchten treten auch Schiachperchten (von
bair. schiach = „hässlich“) auf, die eine hässliche oder greuliche Maske tragen.
Auch in Bayern finden noch heute z. B. in Nonn bei Bad Reichenhall und im
Rupertiwinkel in Ainring und Laufen (Salzach) Perchtenläufe statt. Am
bekanntesten ist der Pongauer Perchtenlauf. Dieser findet abwechselnd in den
vier Gemeinden: St.Johann/Pg, Altenmarkt, Bischofshofen und Bad Gastein am
6.Jänner statt. Nachweislich wurden die ersten Perchtenläufe schon vor 1850
ausgetragen. Zu sehen sind unter anderem Tafelperchten, Kappenperchten,
Habergoaß, dem Bären mit Treiber, dem Rettenbachbock, Werchmandln sowie dem
Jäger und Wilderer und dem Teufelsbrünnljäger als Figuren. Die Wilde Jagd findet
noch immer in einem der Orte rund um den Untersberg (Großgmain, Viehausen,
Maxglan, Morzg, Grödig, Anif oder in Leopoldskron-Moos) ihre Darstellung. Und
Schnabelperchten kennen Rauris, Wörth und Bad Gastein. Viele dieser
Perchtaufführungen sind aber eher als touristische Attraktion, denn als
lebendiges Brauchtum zu bewerten. Es existieren jedoch noch eine Vielzahl von
sogenannten Passen, Vereinigungen, die Perchtenkostüme herstellen und
Perchtenläufe veranstalten.
Das Perchtenlaufen vermischt sich inzwischen mehr und mehr mit einem anderen
Brauch der Alpenregion, dem Krampuslaufen.
In Österreich ist zum Perchtenbrauchtum ein
sehr interessanter, aktueller Dokumentarfilm zum Perchten- und Krampusbrauchtum
gedreht worden. "Von einer, die auszog das Gruseln zu lernen" (Österreich 2005)
berichtet erfrischend unkonventionell von Akteuren und Machern eines Brauches,
der zum Event geworden ist.
Liste der Perchtengestalten
• Frau Bercht
• Berigl
• Bechtra
• Berchtlmuada
• Bechtrababa
• Lutzl
• Sampa
• Stampa
• Zamperin
• Zampermuada
• Perschtln
• Pudelfrau
• Pudelmuatta
• Rauweib
• Hovangoas
• Läufer
• Scheller
• Tamperer
• Hexe
|